Meistens spricht sie - schreiben kann sie aber auch...

Morgens ab 6 Uhr moderiert Jenny Heimann regelmäßig bei Radio WAF. Am Nachmittag trifft man sie jedoch eher auf dem Spielplatz oder in der Krabbelgruppe an. Denn ihre zweijährige Tochter Hannah hält sie ganz schön auf Trab.

Hier in ihrer Radio WAF-Kolumne erzählt Jenny regelmäßig über Chaos und Wahnsinn aus dem Leben einer "Working Mum".

Folge 25: Deutschland gegen Griechenland

Immer wenn ein fußballerisches Großereignis ansteht, herrscht bei und zu Hause Ausnahmezustand. An Tagen, an denen es um Entscheidungsspiele für seine Bayern geht, ist Christoph meist schon ab dem Frühstück kaum ansprechbar. Weil er sich mental auf das Spiel vorbereiten muss, sagt er. Weil er Lampenfieber hat, sage ich.  Wenn dann auch noch die deutsche Nationalmannschaft antritt, ist Christoph  wie im Fieber. Für ihn gehört es zu einem Deutschlandspiel automatisch dazu, dass die Wohnung beflaggt, der Fußballzwerg aufgestellt,  der Kühlschrank mit Weizen gefüllt, der Grill geheizt-  und seine Kumpel eingeladen werden. Seine Kumpel, das sind die sogenannten I-s: Volki, Strecki, Kassi, Olli, Witti (und Bomber und Keule)  Seit der glorreichen WM 1990 haben die I-s jedes, also wirklich jedes internationale Fußballturnier gemeinsam verfolgt.

Ich habe mich längst daran gewöhnt, dass es an Fußballtagen bei uns in der Wohnung sehr, sehr laut wird. Und andere Gesprächsthemen nicht mehr erlaubt sind. Nur einmal ging es an einem solchen Tag auch um Germanys Next Topmodel. Das war, als sich herausstellte, dass Gina-Lisa den I-s auch schon vor der EM bekannt war.

Da in  Christophs Wunschdenken Hannah immer noch ein „halber Jaust“ ist, hat er für die Hälfte des monatlichen Kindergeldes ein Trikot der deutschen Nationalmannschaft erstanden. Größe 104.

Ich dagegen bin nicht verwundert, dass Hannah sich weigert, es anzuziehen. Es ist halt nicht lila.

Am vergangenen Freitag war allerdings einmal alles anders: Die Woche war anstrengend gewesen, die I-S bei einem anderen Kumpel eingeladen und wir hatten keinen Babysitter. Christoph entschloss sich schweren Herzens, ausnahmsweise einmal mal ohne I-S- aber dafür mit uns, Fußball zu gucken.

Beim Abendbrot versuchte er schon mal, mit Hannah zu diskutieren.
Habt Ihr denn heute im Kindergarten auch über das Fußballspiel gesprochen?
Nein. Nur Herr Effertz.
Christoph nickte zufrieden. Schon gut, wenn man ausnahmsweise mal einen männlichen Kindergärtner hat.

Zur Vorberichterstattung setzten wir uns auf die Couch. Mit Apfelsaftschorle und Chips. Hannah guckte sehr interessiert.  Da kamen ja Kinder auf den Rasen gelaufen! Interessant. Und Fußballspieler waren auch dabei. Als die Nationalmannschaft die Hymne sang, sah sie genau hin:
Guck mal, Mama! Da ist ja einer ganz klein!
Ja. Der heißt Phillip Lahm.
Kameraschwenk nach oben. Guck mal, da sitzt die Frau aus der Tagesschau! Genau. Das ist unsere Bundeskanzlerin. Buntes-Kanzlerin? Aber die ist doch gar nicht bunt! Die ist doch beige!

Pscht. Christoph wünschte sich mehr Konzentration. Das Spiel begann. Und Christoph nahm uns nicht mehr wahr.

Bei der ersten Torchance in der vierten Minute wollte Hannah Christoph ihr selbstgepuzzeltes Disney-Prinzessinnen Bild zeigen. Christoph reagierte nicht und starrte stattdessen gebannt auf den Bildschirm. Sie war empört.

Ich konnte nur bedauernd die Schultern heben und fragte, ob Hannah ins Bett gehen wolle. Sie nickte und verschwand. Inzwischen war das, was da im Fernsehen passierte, auch schon sehr langweilig. Und außerdem war sie  ganz schön müde. Selbst als Christoph vier Mal richtig laut schrie, und zwei Mal richtig laut wütete, wurde sie nicht wach.

Ich denke, dass das unser vorerst letztes EM Spiel zu dritt war, und stelle mich schon mal darauf ein, dass die I-S am Donnerstag wieder bei uns einfallen werden.



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