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Oliver Behrendt
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Archiv der Nachrichten aus dem Kreis Warendorf

Besselmann Personalservices aus Beelen äußert sich nach Corona-Massenausbruch bei Tönnies

Wir haben vorletzte Woche einige Fragen an die Firma Besselmann (Firmensitz in Beelen) gemailt. Heute Vormittag erreichten uns die Antworten, die wir im Folgenden im Orginal wiedergeben, da sie so Fakten transportieren und Einblicke rund um die Werksverträge bei der Firma Tönnies gewähren.

Viele Menschen kritisieren die Unterbringung von selbständigen Werksvertrags-Mitarbeitern in den Kreisen Warendorf und Gütersloh. Wie stehen Sie dazu?

Wir können zur Wohnsituation unserer Mitarbeiter nur aus Besselmann-Perspektive antworten: Nur 29 Objekte sind von der Firma Besselmann angemietet, um den Arbeitnehmern hier überhaupt einen Wohnraum zur Verfügung stellen zu können. Sie werden zum Selbstkostenpreis an die Mitarbeiter weitervermietet. Die übrigen Adressen sind von unseren Arbeitnehmern in Eigeninitiative angemietet worden. Eines der Hauptprobleme, die Nachfrage nach Arbeitnehmern in der Industrie befriedigen zu können, ist nämlich der Mangel an adäquatem Wohnraum in deutschen Kommunen. Nur 23 %, das heißt genau 256 Mitarbeiter, wohnen derzeit in von Besselmann zur Verfügung gestelltem Wohnraum.

Wir würden allerdings gerne unseren Mitarbeitern mehr Besselmann-eigenen Wohnraum zur Verfügung stellen, um ihnen einen verhältnismäßigen Mietzins genauso garantieren zu können wie adäquate Wohnbedingungen. Entsprechende Wohnanlagen zu bauen gestaltet sich aber aufgrund des seit Jahren überhitzten Immobilienmarktes und nicht zuletzt auch genehmigungsrechtlich als sehr schwierig. Die prekäre Lage auf dem Wohnungsmarkt und die mangelnde Bereitschaft, Arbeitnehmern aus dem osteuropäischen Ausland Wohnraum auf dem freien Markt anzubieten, führt leider dazu, dass deren Situation von den falschen Leuten ausgenutzt wird. Wir als Besselmann Gruppe haben uns immer anders aufgestellt, was dazu führt, dass wir in der Regel leichter und nachhaltiger Personal akquirieren können als unsere Marktbegleiter.

Wie stehen Sie zur Zukunftsfähigkeit von Werksverträgen unter Corona und im Allgemeinen?

Diese Frage lässt sich nicht einfach beantworten. Arbeitsrecht und die Nachfrage in der Industrie haben in den vergangenen Jahren zu der Situation geführt, die heute zu Recht beklagt wird. Für ein Unternehmen wie unseres, das den Anspruch hat, Werkvertragsnehmer möglichst lange an sich zu binden, also gute Bezahlung und gute Arbeitsbedingungen anzubieten, ist die Situation gerade in der Fleischbranche immer auch eine Gradwanderung gewesen. Das Arbeitsrecht entsprechend zu verändern und die Standards von Werkverträgen drastisch anzuheben würde hier sicher zu einer Marktbereinigung führen und die Situation von Arbeitnehmern verbessern. Dazu gehört aber bitte auch, Mietwucher zu unterbinden, Ghettoisierung zu vermeiden und Einwohnermeldeämter, Arbeitgeber und Arbeitnehmer besser miteinander zu vernetzen. Die Industrie, wohlgemerkt nicht nur die Fleischindustrie, ist auf die Flexibilität von Werksverträgen angewiesen. Leider wurde dieses Instrument von einigen Unternehmen pervertiert, was den Wettbewerb zu Ungunsten der Arbeitnehmer und damit auch zu Ungunsten der Firma Besselmann verzerrt hat. Sollte es ein anderes Instrument geben, dass den Bedarf am Arbeitsmarkt decken hilft und das die Arbeitnehmer schützt, wären wir die Ersten, die dieses Instrument nutzen würden. Ein einfaches „weg damit“ ohne Alternative ist indes zu kurz gesprungen.

Wie reagieren Sie auf die Fälle bei Westfleisch und jetzt bei Tönnies?

Zunächst sollten Sie wissen, dass die Corona-Fälle bei Tönnies in den Zerlege-Betrieben verzeichnet wurden. Besselmann beschäftigt dort nur Reinigungspersonal. Zu Westfleisch können wir in diesem Zusammenhang gar nichts sagen. Wie wir also auf die Situation bei Tönnies reagiert haben, ist schnell erklärt: von dem Moment an, in dem unsere 1113 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in Quarantäne kamen, haben es uns die Kreise Warendorf und Gütersloh auferlegt, diese 1113 Personen und deren Familien (!), verteilt auf 548 Adressen im Umkreis von 100 km um Rheda, davon 519 Privatadressen, mit Lebensmitteln und Dingen des täglichen Bedarfs zu versorgen. Die dafür notwendige Logistik haben wir in wenigen Stunden sichergestellt, und das, obwohl uns zunächst nur 13 Mitarbeiter geblieben waren, denen eine sogenannte Arbeits-Quarantäne auferlegt war und die daher überhaupt in der Lage waren, die Standorte unserer Mitarbeiter anzufahren. Selbst dafür bedarf es spezieller Genehmigungen, die allerdings nicht von jeder Kommune zu bekommen sind, sodass unsere „Versorger“ noch heute jederzeit Gefahr laufen, gegen Quarantäneauflagen zu verstoßen, wenn sie ihre Kolleginnen und Kollegen versorgen.  Seit Beginn der Quarantäne arbeitet das verbliebene Team der Firma Besselmann von 5.00 Uhr morgens bis nachts daran, die Versorgung sicherzustellen.


Inzwischen beliefern wir sogar Personen, die gar nicht zu unseren Mitarbeitern gehören, wenn sich deren Nachbarn oder andere Initiativen in Unkenntnis der Sachlage an uns wenden. Als Arbeitgeber nehmen wir unsere Fürsorgepflicht sehr ernst und tun unser Möglichstes, um in dieser nie dagewesenen Situation die Lage unserer Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zu erleichtern. Dazu gehört auch, dass wir uns um die Erkrankten kümmern müssen bzw. die Angst derer, die in Quarantäne sind und nicht wissen, ob sie womöglich trotz negativem Test doch noch erkranken.
Darüber hinaus sind wir gezwungen, die Anfragen und einstweiligen Anordnungen von Kommunen und Körperschaften von hier bis ins Rheinland mit Listen unserer Mitarbeiter zu versorgen, Datenschutz hin oder her, unabhängig davon, ob Mitarbeiter unseres Unternehmens in ihrem Dunstkreis wohnhaft sind oder nicht.


Wir arbeiten im Krisenstab der beiden Kreise mit, versuchen unsere internierten Mitarbeiter und deren Familien zu beruhigen und bei der Stange zu halten und müssen uns dafür vor Ort von Nachbarn, die normalerweise nichts mit unseren Mitarbeitern zu tun haben wollen, beschimpfen lassen. Und schließlich stellen wir die Bezahlung dieser 1113 Personen sicher, auch wenn sie derzeit nicht arbeiten. Außerdem versuchen wir, mit dem uns verbliebenen Personal unsere anderen Kunden in ganz Deutschland weiter professionell und sicher mit qualifiziertem Personal zu versorgen. 

(Antworten von Besselmann-Geschäftsführer Ralf Kerkhoff) Besselmann Services GmbH & Co. KG, Verwaltungssitz Beelen

 

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