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Markus & Ina
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Nachrichten aus dem Kreis Warendorf

Eine Stadt im Ausnahmezustand - Angst und Entsetzen in Halle

In Halle fallen Schüsse - zwei Menschen sterben. Eine Leiche liegt gegenüber einer Synagoge. Ein weiterer Tatort soll ein Döner-Imbiss sein - mehrere Täter sind auf der Flucht.

Täter im Kampfanzug

Halle/Saale (dpa) - Schwer bewaffnete Polizisten durchkämmen das beschauliche Paulusviertel im Norden von Halle. Etwa 30 Meter von einer Synagoge entfernt liegt eine Leiche, sie ist mit einer blauen Decke bedeckt. Daneben steht ein schwarzer Rucksack, an dessen Reißverschluss eine kleine Stoffente hängt.

Die Polizei hat das Gebiet weiträumig mit Flatterband abgesperrt. Am Himmel über der Innenstadt kreist ein Hubschrauber. Streifenwagen fahren mit Blaulicht durch das Villenviertel und fordern die Anwohner auf, Türen und Fenster geschlossen zu halten. Nach den Schüssen ist die Stadt mit knapp 239.000 Einwohnern im Ausnahmezustand. Die Situation ist am Mittwochmittag zunächst völlig unklar.

Die Polizei meldete, nach ersten Erkenntnissen seien zwei Menschen getötet worden. Mehrere bewaffnete Täter seien mit einem Auto auf der Flucht. Auch in Landsberg - rund 15 Kilometer von Halle entfernt - wurde geschossen, wie die Polizei bestätigt. Zu den näheren Umständen des Vorfalls in dem Ort im Saalekreis wollte sie zunächst nichts sagen. Augenzeugen berichteten, dass ein Täter in einen nahe gelegenen Döner-Imbiss geschossen habe.

Am frühen Nachmittag meldete die Polizei dann die Festnahme einer Person. «Bleiben Sie trotzdem weiterhin wachsam», twitterte die Polizei und rief die Bevölkerung auf, in ihren Wohnungen oder an ihrem Arbeitsplatz zu bleiben. Auch das mobile Warn- und Informationssystem Katwarn wendete sich mit einer «Gefahrendurchsage» an die Bevölkerung. «Gebäude und Wohnungen nicht verlassen. Von Fenster(n) und Türen fern bleiben!»

Im benachbarten Leipzig verschärfte die Polizei ihre Kräfte vor der Synagoge. Weitere Maßnahmen seien bislang noch nicht getroffen worden, hieß es von einem Polizeisprecher. Juden auf der ganzen Welt feiern derzeit den höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur.

In Halle harrten unterdessen nach Angaben des Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde, Max Privorotzki, Menschen in der Synagoge aus. Zum Zeitpunkt der tödlichen Schüsse sei das jüdische Gotteshaus voll besetzt gewesen, so Max Privorotzki zum «Spiegel». «Momentan sind 70 bis 80 Personen in der Synagoge», wurde Privorotzki zitiert.

Augenzeugen in Halle berichteten unterdessen von einem Täter, der einen Kampfanzug und eine Maschinenpistole getragen haben soll. Demnach soll es auch eine Explosion auf einem Friedhof gegeben haben.

Medien veröffentlichten Bilder des angeblichen Täters. Die in Halle erscheinende «Mitteldeutsche Zeitung» zeigte ein Foto, auf dem ein dunkel gekleideter Mann mit Helm und Stiefeln zu sehen ist, der ein Gewehr im Anschlag hat. Der Mitteldeutsche Rundfunk zeigte ein Video, auf dem womöglich derselbe Mann aus einem Auto aussteigt und mehrfach seine Waffe abfeuert.

Die Hintergründe der tödlichen Schüsse waren laut Bundesinnenministerium zunächst unklar. Die Bundesanwaltschaft übernahm die Ermittlungen, wie die Behörde in Karlsruhe auf Anfrage mitteilte. Sie ermittele wegen Mordes von besonderer Bedeutung. Ob es sich um eine antisemitische Tat handelt, sei noch unklar.

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) brach seinen Besuch bei der EU in Brüssel ab. «Ich bin entsetzt über diese verabscheuenswürdige Tat», hieß es in einer Mitteilung. «Es wurden durch sie nicht nur Menschen aus unserer Mitte gerissen, sie ist auch ein feiger Anschlag auf das friedliche Zusammenleben in unserem Land. Mein Mitgefühl gilt den Angehörigen der Opfer.»