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Lars Niermann
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Werbeboykott bei Facebook
Hassposts

Breiter Boykott: Firmen gegen Facebook wegen Hassposts

Tablet auf dem Facebook geöffnet ist

29. Juni 2020

  • Die Facebook-Nutzerzahlen sind in den ersten drei Monaten 2020 kräftig gestiegen, auf 2,6 Milliarden monatlich aktive Nutzer
  • Facebook hat von Januar bis März über 17 Milliarden Dollar Umsatz, meist mit Werbung, gemacht (alle Zahlen hier)
  • Die Bewegung #StopHateforProfit ruft zum Werbeboykott ge-gen Facebook auf und immer mehr Firmen machen mit

Wer ruft zum Boykott auf?
Mehrere große, ganz unterschiedliche US-Bürgerrechtsorganisationen haben sich für einen breit angelegten Boykott zusammengeschlossen. Gemeinsam präsentieren sie sich online auf der Seite der Anti-Defamation League (ADL) aus New York, die sich gegen Diskriminierung und Diffamierung von Juden einsetzt. Unter dem Hashtag #StopHateForProfit (frei übersetzt: Stopp den Hass aus Profit) finden sich neben der ADL auch Color of Change - die gemeinnützige Organisation wurde 2005 nach dem Hurrikan Caterina gegründet, um die Rechte der Afroamerikaner in den USA zu stärken - und Sleeping Giants. Die Initiative hat sich zum Ziel gemacht, Online-Werbung mit z.B. rassistischen, sexistischen oder fremdenfeindlichen Inhalten zu stoppen.

Warum rufen sie zum Boykott auf?
Die Aktivisten werfen Facebook vor, gar nichts oder zu wenig gegen Rassismus und Rechtsradikalismus auf seiner Plattform zu machen. In ganzseitigen Anzeigen und auch durch die direkte Ansprache von Werbeagenturen fordern sie, im Juli keine Werbung auf Facebook zu schalten. Mit dieser Aktion sollen sich die Unternehmen solidarisch zeigen mit „unseren tief verwurzelten amerikanischen Werten von Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit.“ Und weiter fordern die Initiatoren auf Ihrer Website: „Senden wir Facebook eine starke Botschaft: Die Gewinne werden es niemals wert sein, Hass, Bigotterie, Rassismus, Antisemitismus und Gewalt zu fördern.“

Wer folgt dem Aufruf?
Als eine der ersten Firmen erklärte die bekannte Outdoormarke „The North Face“, dass sie im Juli keine Werbung auf Facebook schalten würde. Es folgten weitere bekannte Marken wie Patagonia (Sportartikel), Verizon (Telekommunikation), Unilever (Konsumgüter) und Ben&Jerrys (Speiseeis). Am Wochenende kündigte auch Coca Cola an, den Werbeboykott zu unterstützen. Allerdings wird der Konzern nicht nur bei Facebook seine Werbung stoppen, sondern will im Juli generell nicht in Online-Netzwerken werben: „Es gibt keinen Platz für Rassismus in der Welt und es gibt keinen Platz für Rassismus in den sozialen Netzwerken,“ schrieb Coca-Cola-Chef James Quincey in einem Statement. Inzwischen beteiligen sich über 90 Firmen am Werbeboykott.

Wie reagiert Facebook?
Facebook kündigte als Reaktion auf den Boykott an, stärker gegen Hassbotschaften im Netz vorzugehen. Auch will das Netzwerk zukünftig problematische Posts von Politikern markieren, Falschmeldungen gerade im Vorfeld der US-Präsidentschaftswahlen löschen und Wahlwerbung reduzieren. Auf seinem Account schrieb Facebook-Chef Mark Zuckerberg in einem langen Post, dass die KI zusammen mit den zahlreichen Überprüfungsteams schon jetzt „fast 90 % der Hassrede identifizieren, die wir entfernen, bevor jemand es uns überhaupt meldet.“ Zuckerberg versprach aber weiter, „Einwanderer, Migranten, Flüchtlinge und Asylbewerber besser vor Anzeigen zu schützen, die darauf schließen, dass diese Gruppen minderwertig sind oder Missachtung, Entlassung oder Ekel gegen sie ausdrücken.“ Zum Ende des Posts erklärt er dann eindeutig, „aber ich stehe auch gegen Hass oder alles, was zu Gewalt anregt oder Abstimmungen unterdrückt, und wir sind entschlossen, dies zu beseitigen, egal woher es kommt.“


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