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Johanna Schmidt
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"Halo" von Amazon

Das Fitness-Armband, das Gefühle misst

junge Frau tanzt fröhlich

7. September 2020

  • Wearables sind im Trend: In Deutschland sollen in diesem Jahr allein über 3,1 Millionen Smartwatches verkauft werden.
  • Neues Wearable von Amazon will per Stimme unsere Stimmungslage erkennen.
  • Per Bodyscan soll zudem auch der Körperfett-Anteil gecheckt werden.

Es begann mit… James Bond

Die erste smarte Uhr trug kein geringer als James Bond: In „Feuerball“ funktionierte die Uhr am Arm von Sean Connery auch als Geigerzähler und später auch als Kreissäge, als Peilsender oder als Supermagnet. Mittlerweile sind aus unseren Uhren sogenannte Wearables geworden, allerdings natürlich mit einem anderen Fokus. Es sind Geräte, die wir nahe am Körper tragen und die dort Körperdaten sammeln und analysieren. Und die sind im Trend, wie neueste, rund um die IFA (Internationale Funkausstellung in Berlin) bekannt gewordene Zahlen belegen: 52 Milliarden Dollar sollen 2020 weltweit für diese Geräte ausgegeben werden, ein Plus von über 27%. In Deutschland wird allein ein Plus von 11 Prozent bei den Verkäufen von Smartwatches erwartet.

Statt der klassischen Uhrenhersteller haben wir es inzwischen allerdings mit den großen Firmen der Smartphone- und Consumer-Branche zu tun. Da betritt nun ein neuer Consumer-Riese das Feld der Wearables für unsere Gesundheit - Amazon - und er verspricht gleich exklusive Funktionen, die Datenschützern die Sorgenfalten auf die Stirn treiben.

Sprich und ich weiß, wie Du Dich fühlst

Das neue Armband "Halo" bietet zunächst einmal die bekannten Tracking-Funktionen für die Herzfrequenz, für unsere gegangenen Schritte, aber auch unsere Hauttemperatur können wir checken lassen. Alle diese Daten werden uns per App auf unserem Smartphone angezeigt - Halo selbst hat kein Display. Aber das Armband besitzt zwei Mikrofone. Damit können wir eine Art soundbasiertes, emotionales Tagebuch aufzeichnen lassen: Halo kann unsere Gespräche mitschneiden und sie werden dann von der App analysiert. Laut Amazon kann die App zwischen einem förmlichen, normalen Arbeitsgespräch und einem Wutanfall unterscheiden: Bei Bedarf empfiehlt uns Halo, die Stimme zu senken und sich etwas weniger aufzuregen. Die Gespräche - so Amazon - würden aber nicht in der Cloud gespeichert, die Daten würden nur zwecks Analyse an die App übertragen. Trotz dieser Beschwichtigung sind die Datenschützer alarmiert. Datenschutzaktivistin Katharina Nocun kritisiert bei Spiegel Online: „Die Stimme in Gesprächen zu analysieren, das ist ein massiver Eingriff in die Privatsphäre.“

Per Bodyscan zu einem besseren Körper-Feeling?

Doch das ist erst der eine Teil des viel diskutierten, neuen Amazon-Angebots. Denn die begleitende App soll uns auch helfen, unseren Körperfettanteil zu reduzieren. Dafür müssen wir zunächst ein Ganzkörperbild in möglichst enger Kleidung oder Unterwäsche aufnehmen. Die App lädt das Foto zur Analyse kurz in die Cloud hoch, anschließend können wir uns per 3D-Simulationen anschauen, wie unser Körper mit mehr oder weniger Körperfett aussehen könnte. Das soll uns für eine bewusstere Ernährung bzw. einen gesünderen Umgang mit unserem Körper motivieren.

Für diese Funktion kooperiert Amazon mit der Abnehmplattform WW, besser bekannt unter dem früheren Namen Weight Watchers. Laut Amazon sei diese Messmethode besser als jede Körperfettwaage, wenn wir uns regelmäßig fotografieren, könnten auch Entwicklungen nachvollzogen werden. Der Konzern betont, die Bilder würden gleich nach der Analyse in der Cloud automatisch gelöscht, die 3D-Simultationen seien nur auf unserem Smartphone gespeichert. Beim Webportal Golem heißt es dazu sarkastisch: „Fotos von sich in der Unterhose an Amazon schicken, die Stimme analysieren lassen: Klingt nach einer Datenschutzkatastrophe, soll aber gesund sein.“

Halo noch in den Startlöchern

Das neue Fitness-Armband ist Amazons Einstieg in den Gesundheitsmarkt. Allerdings bereitet der Konzern den neuen Weg offensichtlich vorsichtig vor. Das Band und die App können bislang nur in den USA beantragt werden. Die ausgesuchten Nutzer bekommen es für rund 70 Euro, die verschiedenen Funktionen der App müssen aber zusätzlich gebucht werden. Wann Halo auch in anderen Ländern verfügbar wird, ist bislang noch unklar. Wer bis dahin schon mal einen - vielleicht auch nicht so umstrittenen - Fitness-Tracker sucht - die Stiftung Warentest hat erst unlängst 25 Smartuhren und Fitnesstracker mit sehr unterschiedlichem Erfolg getestet. Die Ergebnisse können kostenpflichtig abgerufen werden. Der Stern bietet einen kostenlosen Test von zwölf Fitnessbändern.


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