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Leslie Runde
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Highspeed-Internet aus dem All: Elon Musk und sein Satelliten-Netz

10. Januar 2022

     

  • Das Satelliten-gestützte Internet des US-Unternehmers Elon Musk heißt Starlink.
  • Fast 1.800 Satelliten kreisen für Starlink schon um den Globus, für fast 12.000 soll er die Genehmigung der US-Behörden haben.
  • Zwei Fast-Zusammenstöße mit Space-X-Satelliten haben unlängst in China für große Verärgerung gesorgt.

Die Internet-Versorgung aus dem All

Der Plan klingt so verwegen wie viele Ideen des US-Milliardärs Elon Musk. Mit einer gigantischen Anzahl von Spezial-Satelliten möchte er weltweit auch in den entlegensten Regionen schnelles Internet aus dem All anbieten. Die Idee des Satelliten-gestützten Internets ist im Grunde nicht neu, aber bislang scheiterte die Schnelligkeit besonders an der großen Entfernung. Satelliten kreisen in der Regel in 36.000 Kilometer Höhe um unseren Erdball, die Starlink-Satelliten hingegen bewegen sich nur in einer Höhe 550 Kilometer – dem Low Earth Orbit. Fast 1.800 Satelliten hat der Milliardär in den letzten zwei Jahren schon in den Orbit geschickt – erst letzte Woche sind 49 weitere von Florida aus mit einer Falcon 9-Rakete auf ihre Reise geschickt worden. 12.000 weitere Satelliten wurden von den US-Behörden schon genehmigt, Anträge für weitere bis zu 30.000 Satelliten sollen schon vorliegen. Auch in Deutschland ist Starlink seit letztem Jahr verfügbar und das Netz wird stetig ausgebaut.

Schnelles Netz

Verschiedene Tests belegen die Schnelligkeit von Starlink. So ergab ein Speedtest des Webdienstes Ookla überdurchschnittliche Downloadwerte von 95,4 Mbit/s (Megabit pro Sekunde), der bundesweite Schnitt liegt bei rund 61Mbit/s. Bei der Latenzzeit (damit wird die Zeit bezeichnet, die ein kleines Datenpaket von unserem PC zu einem Server und wieder zurück benötigt – wichtig z.B. bei Onlinespielen) hängt Starlink allerdings hinterher: Während bundesweit 15 Millisekunden gemessen wurden, waren es bei Starlink 45 Millisekunden (alle Zahlen beziehen sich auf das 3. Quartal 2021). Allerdings scheinen alle Angaben auch starken Schwankungen zu unterliegen – viele Erfahrungsberichte gibt es noch nicht.

Ein Video eines Starlink-Satelliten-Zuges über Europa sorgte Anfang 2021 für Furore:

Ein hoher Preis

Das Netz aus dem All ist teuer. Das Starterset u.a. mit der rund sieben Kilogramm schweren Satellitenschüssel und einem Router kostet inklusive Versand über 570 Euro. Monatlich kommen noch Servicekosten von knapp 100 Euro dazu. Dafür ist die Installation einfach. Die Satellitenschüssel „Dishy“ stellt sich – einmal optimal mit klaren Sichtfeld zum Himmel aufgebaut – selbstständig ein und findet „ihren Satelliten“ bzw. wechselt zu dem Satelliten, der gerade die jeweilige Region überfliegt. Vielleicht ist es diese ständige Suche nach dem passenden Satelliten, vielleicht sind es andere Gründe - Starlink scheint viel Strom zu brauchen. Der Zeit Online-Autor Markus Horeld berichtet in seinem Praxisbericht, dass allein für Strom weitere monatliche Zusatzkosten von bis zu 40 Euro anfallen können.  

Viele Nutzer – langsamere Nutzung?

Nach der Hochwasser-Katastrophe im Sommer 2021 installierte das Land Rheinland-Pfalz kurzerhand 35 Starlink-Schüsseln. So konnte die Katastrophenregion kurzfristig mit schnellem Internet versorgt werden. Allerdings deuten erste Erfahrungen aus den USA darauf hin, dass das Starlink-Netz mit steigenden Nutzerzahlen langsam werden könnte. Zudem sind die Ausbaukapazitäten begrenzt. Eine Studie der Technischen Hochschule Mittelhessen im Auftrag des Bundesverbands Breitbandkommunikation (Breko) ergab, auch nach dem vollständigem Ausbau – so wie die Pläne bislang bekannt sind – kann Starlink nur 3% der deutschen Haushalte mit schnellem Internet versorgen. Vor diesem Hintergrund ist der auf den ersten Blick etwas seltsam anmutende Begrüßungssatz auf der Starlink-Website verständlich:

„In jedem Servicegebiet werden Bestellungen nach dem Grundsatz „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“ erfüllt.“

Aktuell holpert zudem der Ausbau. Nach einem CNBC-Bericht verzeichnet Starlink Anfang diesen Jahres 145.000 Nutzer in 25 Ländern – nur 5.000 mehr als noch im November 2021. Silizium-Knappheit soll u.a. das Wachstum bremsen.

Ärger mit China

Anfang Dezember beschwerte sich China beim Ausschuss für die friedliche Nutzung des Weltraums der UN – Grund: Schon zwei Mal hätte die chinesische Raumstation in 2021 Ausweichmanöver fliegen müssen, weil sie sonst möglicherweise mit einem Starlink-Satelliten zusammengestoßen wäre. Auch wenn diese Fast-Zusammenstöße nicht belegt sind, deuten sie auf ein wachsendes Problem hin. Laut eines Experten der Universität Southampton steige die Zahl solcher Vorfälle immens – rund 3.000 zählt er pro Woche und an der Hälfte davon seien die Starlink-Satelliten beteiligt. Die europäische Raumfahrtagentur ESA konstatierte in ihrem letzten Weltraumbericht mit Blick auf die Satelliten-Flut besonders privater Anbieter:

„Unser derzeitiges Verhalten im Weltraum ist nicht nachhaltig. Wenn wir so weitermachen wie bislang, wird es die Anzahl der Objekte im Orbit schwierig machen, überhaupt sicher im Weltraum zu operieren.“

Übrigens wer Interesse an den Satelliten über uns hat, die kostenlosen Apps Sattelite Tracker (Android | iOS) und Star Walk 2 (Android | iOS) bieten uns viel Infos zum Geschehen über unseren Köpfen.


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